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Original Post: Microsoft, Community und was dazu zu sagen ist ...
Feed Title: Norbert Eder - Living .NET
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Feed Description: Copyright (c)2005, 2006 by Norbert Eder
Ein Blog habe ich ja mittlerweile seit über 4 Jahren. Seit mittlerweile 2 Jahren beschäftige ich mich ausschließlich mit Technologien rund um .NET und dem SQL Server (wobei meist weniger SQL Server und viel mehr .NET).
Die Frage die sich mir stellt ist einfach: Warum tut man sich soviel Community-Arbeit eigentlich an? Schließlich ist ja doch einiges zu tun. Immer steht man irgendwie im Mittelpunkt (oder auch nicht). Man schreibt News, verfasst Beiträge um anderen zu helfen (wenn nicht gleich, dann vielleicht einige Wochen oder Monate später wenn sie per Google, Live Search etc. auf das Blog kommen). Es werden Artikel, Tutorials verfasst und seit Jänner gibt es dann auch noch die Projekte Livecasts, Podcast und das .NET BlogBook.
Erwartungshaltung
Bei allem was der Mensch tut hat er eine Erwartungshaltung. Bewusst oder unbewusst. Meine Beweggründe kann ich kaum beschreiben. Vielleicht ist es Anerkennung, vielleicht möchte ich auch nur einfach anderen Menschen helfen. Wahrscheinlich ist es jedoch eine Mischung aus beidem. Sehr wahrscheinlich sogar. Auf jeden Fall werden Projekte gestartet um Wissen zu verbreiten, um die gesamte Community zu stärken. Schließlich sitzt man selbst mitten in dieser Community und stärkt sich damit auch selbst.
Wie überall gibt es auch in einer Community sogenannte Leithammel. Alpha Geeks, Personen, die frühzeitig Wissen über neue Technologien, Erkenntnisse etc. weitergeben. Eine Weitergabe dieser Informationen erfolgt meist nicht komplett selbstlos. Wieder kommt das Thema Anerkennung hoch. Oder vielleicht liegt es auch daran, zu zeigen, dass man die aktuellen bzw. die künftigen Technologien im Griff hat und somit auch die Möglichkeit hat, Projekte umzusetzen, die andere vielleicht noch nicht umzusetzen vermögen.
Tatsache
ABer wie sieht das in der Realität aus? In meinem Fall kann ich sagen: Die Downloadzahlen sind gut. Ja, auch sind es einige hundert Besucher täglich, die sich an den bereitgestellten Informationen bedienen. Aber dann gibt es auch noch etwas anderes. Die Community wird immer gesehen als eine Einheit aller .NET Entwickler. Ist sie das? Nein. Eigentlich sind es einige Personen, die Informationen verbreiten und somit anderen Entwicklern das Leben ungemein erleichtern. Schließlich steht man dann nicht vor einem Problem, das noch niemand gelöst hat. Es gibt bereits eine Lösung, man muss nur noch das richtige Blog finden.
So gesehen: Die Community wird dargestellt von einigen wenigen Personen die alles hoch halten, die in der ersten Reihe dahinschreiten. Mit welchem Lohn? Nun, die einen schreiben Artikel und verdienen sich dadurch ein schönes Beibrot, die anderen schreiben gar Bücher, stecken hunderte von Stunden hinein, um mäßige Verkaufszahlen zu erreichen und ganz andere helfen Usern in Newsgroups, auf Foren, um dann irgendwann einen MVP (Microsoft Most Valuable Professional) zu erhalten.
Und hier ist mir gerade der MVP ein absolut großer Dorn im Auge, der allerdings auch sehr viel von der Community widerspiegelt. Ein Most Valuable Professional, als jemand der wirklich Ahnung vom Thema hat, eine Auszeichnung die es für genau ein Jahr gibt und dann erneuert wird, oder vergeht. Je nachdem wie sehr man sich in der Community auch angestrengt hat. Wie wird man ein MVP? Nun, darüber gibt es ohnehin einige Abhandlungen im Internet, die darüber berichten, wie sehr man sich in Newsgroups etc. hervortun muss (also anderen Personen helfen muss) um in den Genuß dieses "Titels" und der damit zusammenhängenden Vorteile zu gelangen. Soweit ist ja alles noch in Ordnung. Aber anscheinend ist hier nicht ein Gremium bestellt, welches nach aufgestellten Regeln diesen Titel vergibt. Nein, meinem Wissensstand zufolge kann nur jemand MVP werden, der von einem anderen MVP vorgeschlagen wird. Hmm ... klingt doch irgendwie nach Freunderlwirtschaft (für die deutschen Freunde: Kontakte ist das was zählt und nicht die Leistung). Ich kenne einige amerikanische MVPs und ja, die haben auch durchaus einiges drauf. Im Gegenzug kenne ich einige deutschsprachige, die ihre Informationen nicht sofort abrufen können, sondern aus diversen Büchern beziehen und dies weitergeben - und das ist noch nett formuliert. Mich bitte an dieser Stelle nicht falsch verstehen. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es Meister, Personen die ihr Fach verstehen und die zu Recht MVP sind. Es gibt jedoch auch viele, die gerade ein paar Monate auf der Bildfläche sind, kaum etwas geleistet haben und doch schon ganz hoch gehandelt werden. Warum auch immer.
Fazit
Mein Fazit ist, dass es durchaus lustig ist, etwas für die Community zu tun, abe rman darf keinerlei Erwartungshaltung haben. In welche Richtung auch immer. Ein simples "Danke" ist kaum zu hören. Von den vorhandenen Größen der Szene wird man ohnehin ignoriert (schließelich haben ja die einigen doch Angst einen Konkurrenten zu bekommen) und Leistungen werden durchaus nicht anerkannt. Das wirklich Schlimme jedoch ist, dass gerade die Community so extrem hochgelobt wird und diese tatsächlich aus ein paar hochgepushten Personen besteht. Mehr nicht.
Mittlerweile kenne ich die Szene ganz gut, habe dort meine Freunde, dort Bekannte und kenne auch viele meiner Leser - zwar nicht persönlich aber zumindest doch per Mail. Die Unnahbarkeit ist für viele ein Problem. MVPs, Developer Evangelists usw. die einen Vortrag halten, locker, lässig, aber dann doch weit entfernt von den wirklichen Entwicklern. Das ist wirklich schade und darüber sollte man sich einmal Gedanken machen.
Sicherlich mache ich mir mit dieser Post keine Freunde. Das ist auch nicht im meinem Sinne. Ich stehe dafür Dinge offen anzusprechen, aber Tatsache ist für mich, dass Personen, die für die Community Projekte ins Leben zu rufen, ohne egoistische Träume zu verfolgen absolut vernachlässigt werden, während andere hochgelobt werden und niemand weiß warum. Das kann es einfach nicht sein und hier wird es auch irgendwann einmal einen gewaltigen Bruch geben. Wie dieser aussieht, was sich ändern wird, das vermag wohl niemand zu sagen, aber ein wenig mehr Transparenz wäre wohl in einigen Belangen durchaus gefragt ....