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by Damir Tomicic.
Original Post: Kurzer Bericht vom ICANN-Meeting in Paris
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Ich folgte in den vergangenen Tagen einer außergewöhnlichen Einladung und nahm die
Gelegenheit wahr bei der Diskussion um die Zukunft des Internets dabei zu sein und
zur Lösung der aktuellen Fragen inhaltlich beizutragen. Es handelte sich bei der Gelegenheit
um die ICANN-Tagung [1] in Paris.
Meine Themen waren u.a. die Diskussion um den Fast Track Prozess für die IDN ccTLDs
und Business Access - die neuen gTLDs und IDNs. Die Themen sind für die Web-Unternehmen
einerseits und für die kleinen und mittelständischen Unternehmen andererseits
von größter Wichtigkeit. Weshalb? Weil ICANN dabei ist sich vom puren ASCII-Internet
zu verabschieden und in die neue Welt der echten (nun auch sprachlich) internationalen
Domains einzutauchen.
An sich eine richtig tolle Entwicklung, die aber viele versteckte Gefahren birgt. Die
wichtigste Angelegenheit dabei ist die Vermeidung der Internet-Spaltung in ACII und
non-ASCII Internet(s). Die Dazugehörigkeit zum ICANN Root-Verzeichnis soll sicherstellen,
dass bspw. China oder Indien nicht einen eigenen Weg gehen, der zu Spaltung des
Internets führen konnte, obwohl demographisch betrachtet dies durchaus möglich wäre.
Insofern ist der Eintrag im Root-Verzeichnis der aktuelle Vorschlag, alllerdings nicht
einem ASCII-Eintrag (gTLD) verknüpft, sondern als zusätzlicher Feld in der Tabelle
.
Sofort stellt sich die Frage nach der (internationalen) Domain eines Unternehmens.
Eine Domain wie bpsw. Google.com oder Baidu.com kann nach neuesten ICANN-Entwürfen
in chinesisch, arabisch oder indisch auf eine vollkommen andere Domain zeigen. In
den ASCII/Non-ASCII Kombinationen ist die Verwirrung dann perfekt. Die Eintreibung
der eigenen Marken-Rechte erfolgt in einem Domain-Name Dispute-Resolution-Process [2],
einer relativ teueren und komplexen Angelegenheit vor einem internationalen Gericht.
Für kleine und mittelständische Unternehmen durchaus eine große Hürde, wenn man eigene
Namensgebung in anderen Sprachen schützen möchte.
Es gab daher einige akute Themen zu besprechen und es war für mich sehr interessant
die Standpunkte der Netzausrüster wie bspw. die Telekom und der Registrars wie bspw.
VeriSign kennen zu lernen. Die Internet-Branche ist leider kronisch bei ICANN unterrepräsentiert,
was zum Teil auch historische Gründe hat. Über die Stimme der mittelständischen Unternehmen
ganz zu schweigen.
Die Tagung fand im Konferenzzentrum des Hotels Le Méridien Montparnasse statt. Alle
Vorträge, Fragen und Antworten wurden simultan übersetzt und stenographisch in Echtzeit
auf den Bildschirmen präsentiert. So konnte man die Diskussion sehr gut verfolgen
und eigene Fragen bzw. Antworten vorbereiten.
Im Gegensatz zum EU Parlament ist die ICANN-Tagung deutlich entspannter und oft emotionaler.
Eliot Ness, der CEO von Tucows, wollte sein Micro gar nicht mehr hergeben und statt
den üblichen 5 Minuten redete er stolze 22 Minuten. Ein Einzelfall und irgendwie inzwischen
auch kultig. Man nennt ihn daher "Open Mic Luciano Pavarotti". :-)