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by Damir Tomicic.
Original Post: Are Europeans Lazy?
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Auf der französischen Next-Web-Konferenz "LeWeb 2008" letzte Woche ging einiges
schief: SwissCom schaffte es offensichtlich nicht die Internet-Verbindung bereitzustellen
und die Heizung fiel aus am ersten Tag. Es schien aber die LeWeb-Besucher nicht weiter
zu stören, da die öffentliche Auseinandersetzung [1] zwischen Loic Le Meur [2] von
Seemic (und Organizator von LeWeb) und Michael Arlington [2] von TechCrunch, zwei
herausragenden Persönlichkeiten der Web 2.0 Szene, die Stimmung ordentlich einheizte.
Worum ging es dabei? Es ging um den Savoir Vivre .. In Europa und in Silicon Valey.
Und um den Erfolg. Dabei machte Michael Arlington interessante Feststellungen:
"... But Europe’s persistent background pessimism was out in full force, even
at an event full of entrepreneurs. Americans dominated the stage ..."
"... Conference organizer Loic Le Meur (a French entrepreneur who moved to Silicon
Valley for his most recent startup Seesmic) says that Silicon Valley moves too fast,
and that Europeans enjoy a good two hour lunch just to experience the joy of life...
My response, at about 17:40: the joy of life is great, but all these two hour lunches
over a bottle or two of great wine and general unwillingness to do whatever it takes
to compete and win is the reason why all the big public Internet companies are U.S.
based. And those European startups that do manage to break through cultural and tax
hurdles and find success are quickly gobbled up by those U.S. companies. Skype (acquired
by eBay) and MySQL (acquired by Sun) are recent examples..."
"... Joie de vivre is fine once you’ve sold that startup and have a summer house
in the south of France. In the meantime, get to work. Le Web needs more Europeans
on stage next year, and it just may be you up there telling the world how you overcame
European culture and grew a successful company..."
Loic antwortete darauf:
"... There is a huge difference between being lazy and taking time to know each other.
It is one of the main cultural differences I feel everyday as I moved to Silicon Valley:
every minute, every coffee, every phone call must have a point. When you call someone
in Silicon Valley for anything you will likely get "why are you calling me?" often
presented in the polite "how can I help you" formula.."
"... Don't even think about starting a conversation in Silicon Valley by "how was
your week-end" or "how are your kids", they all want you to go straight to the point
and no time to lose. I never thought inviting someone I really liked to know better
to dinner would get me an email from his assistant "why would you like to invite him
to dinner?". I do not think europeans are lazy taking the time to know each other
and build deep long term friendships that are not limited to business and I do not
think this hurts Europe in any way. On the contrary...."
"... It is a mindset that is deep in european roots, just compare how the americans
grab a coffee at starbucks and drink it as they walk to enjoying a french café sitting
on a terrasse by the Louvre..."
Ich hatte die Gelegenheit beide zu treffen und denke daher, dass hier nicht nur Meinungen,
sondern auch die Egos zweier Web-Prominenten aufeinander treffen. Die Auseinandersetzung erinnert
mich wieder stark an die dotcom-Zeit. Damals gab es öfter öffentlichen Zoff.
Pauschal etwas zur Diskussion beizutragen ist nicht einfach. Jeder hat ein bisschen
Recht mit seiner Feststellung, zum Teil liegt er auch falsch.
Es geht eigentlich nicht um die Arbeitszeit, es geht um die Effektivität.
Und hier waren die Europäer bisher nicht schlecht. Die Bayer mit 14 Feiertagen und
über 30 Urlaubstagen dürften im Vergleich zu USA mit 4 Feiertagen und 10 Urlaubstagen
eigentlich dauernd verlieren. Dem ist aber nicht so. Die Amerikaner haben auch als
Urlaubsersatz die "Sick Days" erfunden. Die Franzosen sind laut den Umfragen die effektivsten
Arbeiter in Europa, obwohl sie in der Tat eine lange Mittagspause machen.
Hinzu kommt auch die Tatsache, dass ein so grosses zusammenhängdes Markt wie Nord
Amerika, vereint durch die Sprache und zurückhaltende Ansprüche an die Ausarbeitung,
Internationalisierung und Design, natürlich unverhältnismässig größere Chancen für
einen schnellen Start bietet als die fragmentierten europäischen Märkte. Die Chancen
bringen ein zehnfache Investitionsbereitschaft der VCs, Banken und
Business Angels. Das fordert die Kreativität.
Der Mut und die Motivation zum Unternehmertum ist
in der Tat in USA deutlich ausgeprägter. Dies hat u.a. auch historische Gründe. Als
vor ein paar hundert Jahren die ersten Europäer die USA betraten, waren sie bereit
Tag und Nacht zu arbeiten und hatten vor etwas zu schaffen. Wer es nicht schaffte,
der wurde ermutigt es nochmal zu versuchen... und nochmal. Und irgendwann wurde der
Tellerwäscher auch ein Millionär. Es klappt nicht immer, aber immer öfter und die
Denke blieb. Auch heute wird Misserfolg nicht verachtet.
Die Europäer dagegen lebten in einer geregelten Welt mit traditionellen Lebensvorgaben,
die heute noch gelten. Wenn ein Europäer mit seinem Unternehmen, sprich seinem Vorgaben pleite
machte, dann war er sofort in eine Ecke mit den Versagern, den man nichts zutraut,
gar kriminellen (man weiss ja nie ...) geschoben. Eine zweite Chance? Vielleicht.
Eine dritte? Nee, such dir lieber einen feste Anstellung. Und viele tun es aus diesem
Grunde schon von vorneherein.
Wenn ein hiesiger Student sein Studium fertig hat, ist er meistens 26-28 Jahre alt
und seine Umgebung erwartet von ihm, dass er sofort eine leitende Stelle mit entsprechenden
Gehalt bekommt. Er steht dementsprechend mit Ende 20 und Anfang 30 unter einem enormen
Stress. In dieser Situation etwas auszuprobieren ist nicht einfach.
Die Voraussetzungen für Unternehmensgründer in Europa könnten in der Tat deutlich
besser werden.
Wie auch immer, das hat viel mit der Tradition zu tun und diese kann man brechen.
Es ist leichter zu jammern und die Sachen zu erklären. Die Europäer müssen sich definitiv
mehr zutrauen und mehr ausprobieren. Sie müssen
lockerer die Sache sehen und daran denken, dass viele auch in USA erst in einem vierten
oder fünften Anlauf erfolgreich wurden. Die Begeisterung ist auch
ein essenzieller Teil der Kreativität.
Zum Thema Zeit ...
Was US-Amerikaner gern vergessen, ist dass Starbucks in der Tat ein Teil der US-Amerikanischen
Kultur ist, genauso wie ein Café mit einer Terasse ein Teil europäischer Kultur ist. Die
Europäer passen sich zwar an, weil einiges moderner ist und schneller und anziehender,
aber irgendwann vermissen sie das, womit sie aufgewachsen sind. Und US-Amerikaner
entdecken die Vorteile einer Terasse, eines guten Restaurants und des Slow Food Ansatzes.
Und sie lieben es.
So virtuell und schnell wie alles heute noch möglich ist, bleiben Menschen doch noch
Menschen und das Essen bleibt ein Teil des menschlichen Lebens. Ein wichtiger Teil.
Dieser hat nichts mit Reichtum zu tun und ist nicht nur der Elite vorbehalten.
Es hat aber viel mit der Zeitplanung und den Prioritäten zu tun.
Ob ich ein Espresso aus einem Pappbecher unterwegs trinke, oder mir die paar Minuten
nehme und aus einer Porzellantasse in Ruhe das Aroma geniese, wird wahrscheinlich
nicht alle meine Termine durcheinander bringen und mein Erfolg in weite Ferne rücken.
Ich stehe unter ernormen Stress im Beruf und habe eigentlich gar keine Zeit. Aber
ist es nicht so, dass ich dafür arbeite, um mir genau das Gegenteil gönnen zu können?
Um etwas Zeit für wichtige und angenehme Dinge zu haben?
Multi-Tasking ist einer der Trends in der aktuellen Welt. Man schaut nicht Fernsehen
ohne einen Laptop dabei zu haben, man spricht nicht mit Freunden ohne dabei SMS oder
ein Status-Update anderen Freunden zu schicken oder zu tweeten und man hat
keine Zeit eine längere E-Mail zu schreiben, weil dies Nachdenken erfordert und deshalb
die Kommunikation verlangsamt. Das führt zur Oberflächlichkeit, irgendwann zur Sättigung
und dem Wunsch nach wenigen dafür intensiveren Kontakten.
Silicon Valley style oder nicht ... Ich bin überzeugt, dass jeder der für zwei Stunden
am Tag sein Handy ausschalten, die Status-Updates vernachlässigen und sich ausreichend
Zeit für ein langsames Essen und Gespräche nehmen kann, sehr viel davon haben wird.