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by Damir Tomicic.
Original Post: Die schöne neue Welt
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Eigentlich recht unüblich und daher überraschend veröffentlichte Microsoft eine Woche
vor der MIX-Konferenz in Las Vegas eine Stellungsname in Sachen Silverlight und HTML5
auf dem Silverlight Team Blog und bestätigte eine dagegen weniger überraschende als
vielmehr erwartete Ankündigung - die Silverlight 5 Beta wird auf
der MIX veröffentlicht.
Die Ausführung ist insofern zusätzlich lesenswert, da die Autoren Walid Abu-Hadba,
Scott Guthrie und Soma Somasegar die führenden Köpfe hinter der Strategie von Microsoft
in Sachen Evangelismus und die Entwicklung von Entwicklerwerkzeugen und -Technologien
sind. Strategisch ist dieser Schritt nachvollziehbar - eine klare Kommunikation im
Vorfeld einer öffentlich wirksamer Konferenz wie MIX ist die Lektion, die Microsoft
schmerzlich mit der PDC-Konferenz im letzten Jahr gelernt hat. Eine nicht ausreichend
erläuterte Aussage und schon hat man mit einer Masse an Deutungen im Netz und in der
Presse zu kämpfen.
Aktueller Trend in der Software-Entwicklung erinnert mich an die alten Cross
Media Publishing Zeiten am Anfang des Jahrhunderts, als die Fokussierung
auf medienneutrale Speicherung und die Verteilung auf diversen Ausgabekanälen die
Blütezeit der ECM/WCM Systeme ankündigte.
Damals waren die Ausgabekanäle etwas anders definiert - hauptsächlich ging es um die
Vereinheitlichung der Web- und Print-Ausgaben. Auch wir haben mit AxCMS.net schon
immer die Strategie verfolgt im Frontend (Kundenprojekt) vollkommen unabhängig zu
bleiben - ob Microsoft ASP.NET mit MVC oder Silverlight bereichert, oder nun die Kunden
HTML5 wollen - die WCM-Engine soll es verwalten und ausgeben können. Dies ist die
einzig sinnvolle Strategie ..
Heute sind wir sowohl in der Technik- als auch in der Geschäftswelt einen ganz großen
Schritt weiter und haben mit dem aktuellen Cross-Platform Trend eine
neue Dimension der Komplexität erreicht. Einfacher wurde es nicht ..
Um die Vielzahl der heutigen Geräte in Desktop-, Mobil- und Embedded-Bereichen mit
unterschiedlichen Betriebssystemen und Applikationen zu bedienen geht kein Weg an
HTML in der Version 5 kombiniert mit JavaScript vorbei. Es ist insofern nur konsequent,
dass Microsoft die verbesserte Unterstützung für die Entwicklung mit HTML5 ankündigt.
Auch deshalb weil HTML5 entgegen oft in der Presse verlautbaren Aussagen noch weit
von einem Standard entfernt ist. So dynamisch die Entwicklung der HTML5-Spezifikation
und so unterschiedlich die Implementierungen in diversen Browsern sind, werden wir
die déjà vu Gefühle aus den 90en Jahren nicht schnell loswerden können.
Nicht destotrotz ist es ein sehr wichtiger Trend, der inzwischen auch halbfertige
HTML5-Spezifikation zu einem de facto Standard konsequent etabliert.
Insbesondere auf mobilen Geräten, speziell auf den Smartphones setzt sich der Trend
zu den sog. hybriden Applikationen fort. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Strategie
eine native mobile Applikation als Shell um einen HTML5-fähigen embedded/mobilen
Browser (meistens basierend auf der WebKit-Engine) zu bauen. Die native Applikation
übersetzt und übernimmt die Kommunikation mit dem Gerät, da Browser bekanntlich diese
Rolle nicht ausführen kann.
Die initiale Erstellung einer solchen hybriden Applikation bietet auf der Kostenseite
wenige Vorteile gegenüber der Entwicklung einer nativen Applikation. Unter dem Strich
ist es sogar meistens aufwendiger und umständlicher, da vieles nur über einen Workaround
möglich ist. Beispielsweise wenn die Applikation im Stand-By Modus beim ausgeschalteten
Bildschirm im Hintergrund laufen und mit der Hardware kommunizieren muss. Allerdings
wird hier die "Wiederverwendbarkeit" angepriesen, einmal entwickelte
Applikation lässt sich auf diverse Plattformen mit sehr wenig Aufwand übertragen und
noch einfacher Pflegen.
Grundsätzlich stimmt die Aussage schon. Natürlich erzählt man hier aber auch viele
Märchen und gibt Versprechen, die nie eingehalten werden können. Jeder Entwickler,
der mit JavaScript etwas umfangreicher gearbeitet hat, kann sicherlich ein paar Geschichten
erzählen. Aber der Trend setzt sich unaufhaltsam fort. Eines bleibt den nativen Applikationen
auch in diesem Fall vorbehalten - die derzeit viel gefragte User Experience.
Eine hybride Applikation ist und bleibt eine Web Seite, mit allen Vor- und Nachteilen.
Sowohl die Geschwindigkeit, die Unterstützung der Hardware (bspw. Multi-Touch) sowie
die nahtlosen Übergänge zwischen den Zuständen zerstören die Begeisterung der Nutzer.
Was auf den mobilen Geräten gilt, gilt natürlich auch im Web. Eine Web-Seite mit HTML5
und Ajax, sogar hardware-beschleunigt bleibt eine Web-Seite mit allen Vor- und Nachteilen.
Sie mögen auf einem Desktop PC weniger ausgeprägt sein, als auf einem Tablet PC, aber
sie sind da – die Seite ist nie automatisch auf allen Browsern und allen Geräten lauffähig,
noch ist die Entwicklung mit nur einem Werkzeug und Framework möglich. Von einer Offline-Fähigkeit
gar nicht zu sprechen. Man kann nicht magisch mit den Fingern schnipseln ..
Die Videos können mit HTML5 abgespielt werden. Neue Entwicklungen wie Smooth / Adaptive
Streaming und Mehrkanalton bleiben außen vor. So ist es mit fast allen Funktionen
– die Cross-Platform Fähigkeit kauft man sich mit den Abstrichen im Funktionsumfang
und einer fragmentierten Entwicklung.
Die HTML5-Spezifikation steht für viele für das standardisierte offene Web, in dem
die Hürden überwunden und sowohl die Themen rund um User Experience als auch die fehlende
Funktionalität gelöst werden. Eine Traumvorstellung. Leider aber auch nicht viel mehr
als Wunschdenken im echten Leben, vor allem in den nächsten Jahren.
Es existiert keine goldene, immer richtige Vorgehensweise. Am Ende bleibt immer die
Wahl der besten Vorgehensweise für das eigene Benutzerszenario. In manchen ist die
Entwicklung mit Flash und Silverlight sinnvoll, in manchen reicht HTML5 in jedem Fall.
Es ist aber in beiden Fällen wichtig, dass die Entwicklung mit vernünftigen Werkzeugen
und Frameworks durchgeführt werden kann. Und das ist die spannendste Fragestellung
im Moment.
Insofern: Silverlight ist nicht tot, Flash ist nicht tot, HTML4 ist nicht tot, HTML5
ist nicht die ultimative Lösung. Wir sind noch nicht fertig ..